Kommunikation im Alltag

(von Hans-Georg Drape)

 

Wie halten Sie es mit der Kommunikation? Menschen kommunizieren mit allen Facetten, privat oder im Geschäftsleben. Sie erleben Erfolge und begegnen dann wieder Situationen, in denen sie unschlüssig sind, nicht weiter wissen oder sich fragen, warum dieser Kontakt jetzt misslungen ist.

 

 

Wir reden miteinander, sehen, hören, wenden Körpersprache an – es ist unmöglich, nicht zu kommunizieren. Und hier gibt uns Friedemann Schulz von Thun eine Hilfestellung: mit dem Kommunikationsquadrat beziehungsweise Vier-Seiten-Modell. Es gilt für Kommunikation jeglicher Art, egal ob face-to-face oder per Smartphone.

Das Tückische an der Kommunikation ist, dass Missverständnisse oder sogar Streit entstehen können, weil die Nachricht anders gehört wird als beabsichtigt. Kommt Ihnen das bekannt vor?

 

Natürlich hängt gute Kommunikation auch davon ab, ob einem der andere sympathisch ist. Oder von Dingen, die mit der Sache gar nichts zu tun haben. Hier geht es jetzt um die Dinge, die wir selbst gestalten können und uns damit zu einer besseren Kommunikation verhelfen. Dazu brauchen Sie keine Vorkenntnisse und können alles sofort anwenden. Versprochen!

 

Jede Kommunikation beinhaltet vier Ebenen.

 

1.     Da ist zunächst die (blaue) Sachebene. Sie gibt zu erkennen, worüber informiert wird und ist damit frei von Emotionen und Deutungen.

2.     Die (grüne) Ebene der Selbstoffenbarung ist nach meiner langjährigen Erfahrung als Vertriebstrainer die wichtigste: Was gebe ich von MIR zu erkennen.

3.     In der (gelben) Beziehungsebene ist das Thema: Was ich von DIR halte und wie ich zu Dir stehe.

4.     Und zu guter Letzt gibt es den (roten) Appell: Was Du tun sollst.

 

Ein beliebtes Beispiel ist die einfache Aussage eines Senders: „Die Ampel ist rot.“ Auf jeder der vier Ebenen vermittelt sie verschiedene Inhalte.

 

Sachebene                             Es leuchtet die oberste der drei Lampen. Sie ist rot.

Selbstoffenbarung                  Ich habe Angst.

Beziehungsebene                   Du bist ein schlechter Fahrer. 

Appell                                     Bremse rechtzeitig!

 

Und das kann beim Empfänger ankommen:

 

Sachebene                             Es leuchtet die oberste von drei Lampen. Sie ist rot.

Selbstoffenbarung                  Der Sender (mein Gesprächspartner) ist ängstlich.

Beziehungsebene                   Ich werde bewertet (schlechter Fahrer).

Appell                                     Brems!

 

Entscheidend für den weiteren Dialog ist, wie die empfangene Botschaft interpretiert wird, denn das beeinflusst die Rückmeldung des Empfängers an den Sender, der selbst auch wiederum interpretiert.

 

Daraus können jede Menge Konfliktsituationen entstehen und dann geht es selten konstruktiv weiter.

 

Wie können wir aus dieser kommunikativen Falle herauskommen?

 

Aus der Empfängerperspektive: Ich vergegenwärtige mir, dass 4 Ebenen existieren und dass wir davon fast ausschließlich auf der Beziehungsebene (Gefühle) reagieren – hier ist die Gefahr am größten, dass wir uns persönlich angegriffen fühlen.

 

Was ich auf der Beziehungsebene höre, ist selten zielführend. Besser: Ich achte mehr auf die Selbstoffenbarungsebene und auf die Appell-Ebene, also die offene oder verdeckte Aufforderung des Senders.

 

Aus der Senderperspektive: Ich führe mir vor Augen, dass mein Empfänger unmöglich oder zumindest sehr unwahrscheinlich dieselben Sprach- und Deutungsmuster hat wie ich und dass ich nicht erwarten sollte, dass er mich genau versteht.

 

Das Hinterfragen der eigenen Kommunikation ist immer hilfreich, wie dieses Beispiel einer misslungenen Kommunikation am Esstisch zeigt:

 

Frage: „Was ist denn das Grüne in der Soße?“

Antwort: „Mein Gott, wenn es Dir nicht schmeckt, kannst Du ja woanders essen!“

 

Durch eine anders formulierte Frage könnte das Gespräch konstruktiv verlaufen:

Frage: „Was ist denn das Grüne in der Soße? Ich frage, weil mir das bisher nie aufgefallen ist.“

Antwort: „Das ist Estragon. Schmeckt es dir? Dann kann ich es öfter verwenden!“

 

Hier hängt unabdingbar die Emotion vom Ton ab. Über die Stimmlage kann man eine liebevolle Absicht signalisieren. Und es gilt: Wer fragt, führt. Wer begründet, überzeugt.

 

Dabei sind natürlich auch die Verbindung und die Machtverhältnisse der beiden Kommunikatoren von Bedeutung, die je nach Kultur und Kontext sehr unterschiedlich sein können.

 

Tipp 1: Antwort mit konkreter Gegenfrage

Wenn in unserem Rote-Ampel-Beispiel der Beifahrer sagt, dass die Ampel rot ist, und der Fahrer die Selbstoffenbarung nicht erkennt und erwidert: „Das sehe ich selbst und ich brauche keinen Fahrunterricht“, ist die Chance auf ein friedliches Gespräch gefährdet. Hilfreich ist hier die Antwort mit konkreter Gegenfrage, sie wirkt als Entschärfung: „Ja, richtig. Hast du den Eindruck, es könnte gefährlich werden? Das könnte ich nachvollziehen.“

 

Tipp 2: Positive Glaubenssätze

Zwei Menschen können sich vornehmen, wertschätzend und konstruktiv zu kommunizieren. Dazu helfen positiv erarbeitete Glaubenssätze, die Sie am besten selbst formulieren, idealerweise gemeinsam, was natürlich im privaten Rahmen besser als im beruflichen Kontext geht. Wichtig ist, dass die Glaubenssätze echt und nicht von außen übernommen sind.

 

Beispiele für Fahrer und Beifahrer:

 

  • ·         Ich bin an deiner Meinung interessiert und möchte, dass Du Dich in meiner Gegenwart wohlfühlst.
  • ·         Ich erkenne an, dass du eine andere Wahrnehmung von Geschwindigkeit und Beschleunigung hast.
  • ·         Ich nehme Deine Selbstoffenbarung wahr und werde sie nicht (be-)werten.
  • ·         Du bist mir wichtig.
  • ·         Die scheinbare objektive Richtigkeit bringt uns hier als Team nicht weiter.

 

Beispiele für die gemeinsame Mahlzeit:

  • ·         Ich danke dir für Deine Mühe, für uns zu kochen.
  • ·         Gerne lerne ich dazu, wenn Du etwas Neues ausprobierst.
  • ·         Ich freue mich, wenn es Dir schmeckt.
  • ·         Wenn es Dir nicht schmecken sollte, fühle ich mich dadurch nicht bewertet.

Manche Menschen wollen ihre Selbstoffenbarung um jeden Preis verbergen, weil sie ihnen peinlich ist. Doch wenn ich zu dieser Investition in den Kontakt nicht bereit bin, mache ich es meinem Gesprächspartner schwer zu erkennen, was er für mich tun kann.

 

Was sich immer lohnt: Wir bemühen uns um Konstruktivität und Wertschätzung. Und wir sprechen nur aus, was entweder nötig oder liebevoll ist. Es ist wunderbar, dass unsere Gespräche mit diesen Erkenntnissen konstruktiver oder einfach leichter werden.


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Kommentare: 1
  • #1

    Peter Gaulig (Montag, 08 Mai 2017 23:12)

    Klasse Artikel, vielen Dank! Bei Bedarf für eine Verkaufsschulung frage ich gerne mal bei Ihnen an.
    MfG
    Gaulig